Politik hautnah erleben – Die Klasse 10R zu Besuch im Hessischen Landtag

Politik hautnah erleben – Die Klasse 10R zu Besuch im Hessischen Landtag

Wie entstehen eigentlich Gesetze? Wer entscheidet über politische Fragen in Hessen? Und warum gehen die Meinungen von Politikerinnen und Politikern oft so weit auseinander? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielt die Klasse 10R der St. Ursula-Schule Geisenheim bei ihrem Besuch des Hessischen Landtags in Wiesbaden am 10. Juni.

Bereits beim Betreten des Landtags wurde deutlich, dass Politik kein gewöhnlicher Arbeitsplatz ist: Bevor die Schülerinnen und Schüler das Gebäude betreten durften, mussten sie zunächst eine Sicherheitskontrolle durchlaufen – ähnlich wie am Flughafen. Anschließend begann das offizielle Besuchsprogramm.

Im ersten Teil erhielten die Jugendlichen einen Einblick in die Arbeit des Hessischen Landtags. In einer anschaulichen Präsentation wurden die Aufgaben des Parlaments, die verschiedenen politischen Gremien, der Gesetzgebungsprozess sowie wichtige politische Fachbegriffe erläutert. Dabei wurde deutlich, wie viele Schritte notwendig sind, bevor aus einer Idee tatsächlich ein Gesetz wird.

Nach der theoretischen Einführung folgte der wohl spannendste Teil des Vormittags: die Teilnahme an einer laufenden Plenarsitzung. Von der Besuchertribüne aus konnten die Schülerinnen und Schüler die Debatte im Plenarsaal live verfolgen. Eine Broschüre mit den Sitzplätzen der Abgeordneten, der Landesregierung und des Landtagspräsidiums half dabei, den Überblick zu behalten und genau nachzuvollziehen, wer gerade sprach oder auf die Redebeiträge reagierte.

Das Thema der Debatte war der Finanzplatz Frankfurt. Auch wenn dieses Thema auf den ersten Blick recht speziell und nicht unbedingt nah an der Lebenswelt von Jugendlichen erscheint, bot die Sitzung dennoch viele interessante Beobachtungen. Besonders auffällig waren die unterschiedlichen Redestile der Abgeordneten: Während einige ihre Beiträge sachlich und nüchtern vortrugen, argumentierten andere deutlich emotionaler, angriffslustiger oder bewusst polarisierend.

Mindestens genauso spannend wie die Reden selbst waren die Reaktionen im Plenarsaal. Applaus, Buh-Rufe, zustimmendes Johlen oder auch die für viele Schülerinnen und Schüler ungewohnt wirkenden Zwischenrufe wie „Hört, hört!“ machten deutlich, dass Politik keineswegs nur aus trockenen Sachdebatten besteht, sondern häufig auch von Emotionen und unterschiedlichen Interessen geprägt ist.

Das eigentliche Highlight des Tages folgte jedoch im Anschluss: das persönliche Gespräch mit Abgeordneten des Hessischen Landtags.

Für die Klasse hatten sich Vertreterinnen und Vertreter nahezu aller Fraktionen Zeit genommen. Lediglich die FDP war nicht durch einen Abgeordneten vertreten und entsandte stattdessen einen Mitarbeiter. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erhielten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihre eigenen Fragen zu stellen.

Dass die erste Frage der Klasse einen solchen Diskussionssturm auslösen würde, hatte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand erwartet. Recht direkt wollte ein Schüler wissen:

„Warum sind die Steuern so hoch?“

Was zunächst wie eine einfache Frage klang, entwickelte sich schnell zu einer lebhaften politischen Debatte. Die Abgeordneten fielen sich teilweise gegenseitig ins Wort, widersprachen einander, verteidigten ihre Positionen mit Nachdruck und diskutierten sichtbar engagiert über Steuerpolitik und staatliche Ausgaben. Rund dreißig Minuten lang drehte sich das Gespräch nahezu ausschließlich um dieses Thema – ohne dass die Schülerinnen und Schüler weitere Fragen einstreuen mussten.

Von den Steuern führte die Diskussion schließlich weiter zu Fragen des Rentensystems. Von dort aus wurden wiederum Migration und Integration thematisiert. Auch Mindestlohn, wirtschaftliche Entwicklung und die Zukunft des Sozialstaats kamen zur Sprache. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, wie eng viele politische Themen miteinander verknüpft sind.

Besonders beeindruckend fanden viele Schülerinnen und Schüler nicht nur die Inhalte der Diskussion, sondern vor allem die Art und Weise, wie Politik betrieben wird. Die teilweise sehr leidenschaftlichen Wortwechsel zwischen den Abgeordneten machten deutlich, dass Demokratie vom Austausch unterschiedlicher Meinungen lebt. Nicht immer standen dabei die konkreten Informationen im Vordergrund – häufig war es gerade die Streitkultur und die direkte Auseinandersetzung zwischen den politischen Positionen, die das Gespräch so spannend machte.

Für die Klasse 10R war der Besuch daher weit mehr als eine Unterrichtsexkursion. Er bot die Möglichkeit, Politik nicht nur aus Schulbüchern kennenzulernen, sondern direkt vor Ort zu erleben und einen authentischen Blick hinter die Kulissen parlamentarischer Arbeit zu werfen. Am Ende waren sich die Schülerinnen und Schüler einig: Politik kann durchaus spannend sein – besonders dann, wenn man sie live erlebt.

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