Schülerbericht zum III. Philosophischen Blockseminar: „Heroisch leben - was sonst?“
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Im Philosophieprojekt während der Projektwoche des Schuljahres 2018/2019 beschäftigten wir uns mit dem Thema „Heroisch leben – was sonst?“. Im Verlauf des dreitägigen Seminars befassten wir uns mit der Frage, was Helden für uns sind und was den typischen Helden ausmacht.
Vor Beginn des Seminars sollte jeder Teilnehmer einen persönlichen Helden, einen Star und einen Helden heraussuchen. Am Einfachsten fiel uns die Wahl eines Stars, da diese nicht sonderlich persönlich entschieden, sondern gesellschaftlich anerkannt werden. Zu Vorbildern gehörten Sportler wie Mats Hummels, Personen, die einen außerordentlichen Dienst für die Gesellschaft verrichtet hatten, wie Siegfried Steiger, berühmte Wissenschaftler wie Stephen Hawking oder auch die Großeltern. Bei den persönlichen Helden, die mitgebracht wurden, trafen wir auf die erste wichtige Frage. Da sowohl persönliche Helden, wie Nelson Mandela, die als reale Helden ganzer Nationen gelten, und typische Superhelden wie „Iron Man“ oder „Superman“ mitgebracht wurden, stellten wir und die Frage was Helden eigentlich sind. Mit Herrn Zern und Herrn Dr. Schlicht, dem ehemaligen Schulleiter dieser Institution, kamen wir zu dem Schluss, dass Helden nicht nur nach den bekannten Stereotypen, sondern auch sehr persönlich und subjektiv definiert werden. Es wurden auch gewisse Schnittmengen zwischen Held, Star und Vorbild gefunden, da Helden (sowohl reale als auch fiktive) und Stars auch meistens Vorbilder sind. Daraufhin war das besprochene Thema, was Stars und Helden so vorbildhaft macht, und warum sie so erstrebenswert auf uns „normale“ Menschen wirken.
Letzten Endes war die Antwort darauf, dass Stars und Helden das verkörpern, was wir beneiden, und genau so sein wollen wie diese. Beispielsweise werden solche Attribute wie Risikobereitschaft und Wagemut bei Helden, oder das vorgespielte perfekte Leben der Stars begehrt. In solchen Momenten vergessen wir, dass Stars und die meisten Helden lediglich Menschen sind, in deren Leben und Abenteuer wir fliehen, um die eigenen Probleme zu vergessen. Wir entdeckten daran jedoch eine gewisse Ironie, dass das Ausweichen und Ignorieren der eigenen Probleme genau das ist, was nicht heldenhaft ist und dem widerspricht, was wir anstreben und an Heroen beneiden.
„Wer also das Gute verwirklicht, indem er auf das Furchtbare, auf die Verwundung, zugeht, der ist wahrhaft tapfer. Dieses >Zugehen< auf das Furchtbare aber hat zwei Weisen (…): Standhalten und Angriff.“
Dieses beeindruckende Zitat stellt genau den Schluss dar, zu dem wir als Definition der Tapferkeit kamen. Der Angriff, als eine der zwei Weisen des Zugehens auf das Furchtbare, haben wir so interpretiert, dass dies als Anpacken oder Angehen zu verstehen ist.
Am Dritten Tag wurde das allgemeine Interesse an diesem spannenden Thema durch eine Exkursion auf die Burg Klopp in Bingen gesteigert. Diese kleine Reise stellte unsere eigene Heldenreise dar, die einige Elemente des erwähnten Musters erfüllte, unter Anderem der endgültige Scheideweg am Anfang der Reise, welches bei uns die Fahrt über den Rhein war, und das stete Ankämpfen gegen die allgegenwärtige Hitze (unsere persönliche Heldenaufgabe).
Auf diesem Weg machten wir einige Verschnaufpausen, in denen wir das schon Besprochene vertieften. Zu der gewählten Location passend, setzten wir uns noch mit den Bewohnern einer mittelalterlichen Burg und den damaligen Umständen auseinander. Am Ende des sonnigen Tages nutzten wir die „Podeste“ und schossen ein paar Fotos, auf denen wir den Marmorstatuen der Antike und Renaissance nachempfunden waren.
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Zu den dort erhaltenen finalen Erkenntnissen gehörte unter anderem, dass wir Menschen unserer unumstößlichen Vergänglichkeit bewusst werdend, versuchen, uns selbst zu verewigen, einen tiefen Fußabdruck während unserer endlichen Zeit auf diesem Planeten zu hinterlassen, der uns überdauert und genau das schätzen wir an Helden. Sie sind befähigt, in den Erinnerungen der Menschen zu verweilen und das über ihren Tod hinaus. Seien es nur Superhelden, oder reale Heroen, die Nationen befreiten, Leben retteten oder Menschen bekehrten. Das Wundervollste an Helden jedoch ist, dass sie nicht um der Berühmtheit Willen, tun was sie nun eben tun, sondern aus reinster Nächstenliebe.
In dem persönlichen Bestreben, jemand anderes zu sein, sich selbst zu verbessern, die eigene Unzufriedenheit zu bekämpfen und dem Neid auf andere Personen, vergessen wir
jedoch viel zu schnell, dass wir in unserer Vergangenheit sicherlich ab und zu der Held für jemand anderen waren oder heroische Stolpersteine beseitigen mussten, ja, man braucht wirklich keinen Superheldenanzug oder Laserblick um Held zu sein.
Halten Sie doch einmal einen kurzen Moment inne und schauen auf Ihre Vergangenheit.
Sie finde sicherlich Momente, in denen sie ein wahrer Held waren.
Text: Julius Hardt; Fotos: Helin Kara