Rückblick auf das Philosophie-Projekt
„Fragmente einer Sprache der Liebe. Annäherungen an ein vertracktes Gefühl“ (15.06.2018)
Von Josefine Teicke
 
Im Rahmen des Religionsunterrichts bei Herrn Zern hatte sich ergeben, dass einige Leute gerne an einer Art Philosophie-Projekt teilnehmen würden, um ein spezifisches philosophisches Thema intensiver behandeln zu können. So fanden sich kurz vor den Sommerferien schließlich zehn Teilnehmer zusammen, um sich gemeinsam mit Herrn Zern und Herrn Dr. Schlicht „Fragmenten einer Sprache der Liebe“ anzunähern bzw. die Thematik der „Liebe“ philosophisch zu ergründen. Das Ganze fand von der 1. bis zur 10. Stunde im „Kavaliershäuschen“ oberhalb der Turnhalle statt, welches allerdings zuvor erst einmal von Grund auf entstaubt werden musste.
Als wir nach getaner Arbeit einen angenehmen Raum zum freien Denken hatten, sprachen wir zunächst frei darüber, was uns zum Begriff „Liebe“ in den Sinn kam und formulierten Fragen, die uns zu diesem Thema beschäftigten, wie beispielsweise, ob „Liebe zwangsweise etwas mit Sexualität zu tun hat“, ob es „den einen oder den richtigen Partner gibt“ oder „ab wann Liebe anfängt“. Schnell wurde klar, dass Liebe viel mehr als ausmacht und nicht mit einer einfachen Erklärung zu bedienen ist, weshalb wir, um einen Anfangspunkt zu finden, unseren Blick auf die Darstellung der Liebe in Medien richteten. Jeder sollte schon vorher einige Beispiele heraussuchen, um diese schließlich vorzustellen. Wir besprachen Beispiele aus verschiedenen Bereichen wie Werbung, Film und sozialen Netzwerken, was schließlich in einer Diskussion zum Thema Selbstdarstellung von Beziehungen in sozialen Netzwerken wie Instagram mündete. Uns fiel auf, wie oberflächlich und einseitig Liebe in Medien dargestellt wird, wie der Begriff in der Werbung zum Zwecke der Vermarktung missbraucht wird und wie wenig Inhalt eigentlich dahintersteht.
Anschließend stellte uns Herr Zern das Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ von Roland Barthes vor, in welchem, wie in einem Lexikon, sämtliche Begriffe, die mit dem Thema „Liebe“ verbunden sind, behandelt werden. Unsere Aufgabe war es nun in zwei Gruppen eigenständig selbst ein solches „Lexikon“ zu erstellen und die jeweiligen Begriffe, die wir uns ausgesucht hatten, zu erläutern. Bei der Arbeit in den Gruppen und dem anschließenden Vergleich kam schnell ein Sammelsurium an Begriffen zusammen. Von Sexualität, Sehnsucht, Geborgenheit und Vertrauen, Freude, Hingabe, Sicherheit, Stabilität, Verantwortung bis zu Wut, Trauer, Einsamkeit, Konflikt, Verzicht, Eifersucht, Schmerz, Zweifel und Unsicherheit, um nur einen Ausschnitt zu nennen. Dabei war besonders auffällig, wie paradox diese Begriffe teilweise zueinander waren. Während man Freude und Trauer, Schmerz und Freude oder Eifersucht und Vertrauen eigentlich für gegensätzlich und inkompatibel hält, sind sie doch in der Liebe verbunden und schließen sich nicht aus. All diese verschiedenen Begriffe an einer Tafel stehen zu haben, verdeutlichte die Komplexität des Themas.
Kugelmensch
Daraufhin folgte unsere erste Textarbeit und wir lasen gemeinsam den „Mythos vom Kugelmensch“, welcher in Platons „Symposion“ vom Komödiendichter Aristophanes erzählt wird. Dieser Mythos besagt, dass am Anfang die Menschen kreisrund waren, wobei sie doppelt so viele Gliedmaßen sowie andere Körperteile besaßen. Es gab außerdem drei Geschlechter, nämlich Mann-Mann, Frau-Frau und Mann-Frau. Insgesamt waren sie vollständig, verfügten allerdings auch über ein großes Selbstbewusstsein, weshalb sie sich mit den Göttern anlegten und deren Platz einnehmen wollten. Die Götter reagierten und kamen zu dem Schluss, dass sie ein solches Ereignis in Zukunft verhindern würden, indem sie die Kugelmenschen entzweischnitten. Allerdings waren die Kugelmenschen so geplagt von Sehnsucht nach ihrer zweiten Hälfte, dass sie diese suchten und verzweifelt versuchten mit ihr zusammenzuwachsen, indem sie sie umarmten. Allerdings waren sie unfähig etwas ohne ihre Hälfte zu tun und starben deshalb infolge von Hunger. Die Götter drehten deshalb die Geschlechtsteile nach vorne, sodass die Kugelmenschen sich verbinden könnten bzw. eine Familie gründen könnten, wenn sie aufeinandertrafen.
Erstmal fanden wir alle, dass die Vorstellung dieses Mythos nicht nur lustig ist, sondern gewissermaßen auch ein wenig „kitschig“, wenn doch Aussprüche wie „Das ist meine bessere Hälfte“ oder „Ich habe mein Gegenstück gefunden“ tief in unserer Sprache verankert sind. Wir sollten anschließend den Mythos in Schaubildern darstellen, um am Ende zu einem besseren Fazit kommen zu können. Wir filterten insgesamt einige Aussagen heraus: So wird im Angriff der Kugelmenschen auf die Götter beispielsweise der Drang des Menschen über sich hinauszuwachsen, der Wille nach mehr, der Wunsch nach Transzendenz deutlich. Des Weiteren zeigt sich, dass Liebe oft mit Extremen verbunden ist: mit der Sehnsucht, mit Verzicht für die Liebe und den Partner, in der Erfahrung, dass Liebe zusammenhält, aber auch wehtun kann. Außerdem stellt sich heraus, dass der Mensch ein unvollkommenes Wesen ist, was sich in der Alltagserfahrung eines jeden bestätigt, und dass der Mensch sich nach Vollständigkeit (hier seinem Partner) sehnt. Dadurch wird in dem Mythos auch der Eros (die menschliche Liebe) aufgegriffen, welcher besagt, dass Menschen sich untereinander aufgrund bestimmter Eigenschaften lieben.
Nach einer Mittagspause bekamen wir einen weiteren Text, in welchem Aussagen verschiedener, hauptsächlich griechischer Philosophen, zum Thema Liebe beleuchtet wurden. Wir lasen diesen erst jeweils alleine und sammelten dann die Endergebnisse schaubildartig als Gruppe.
Angefangen bei Hesiod, welcher die Liebe als eine kosmische, schöpferische Macht beschreibt, welche allerdings auch schmerzhafte Schattenseiten hat und flüchtig, also nicht ewig ist.
Bei Platon wiederum ist Liebe das Aufsteigen der Seele zum höchsten Ideal. Der Eros selbst ist das Streben nach dem Wahren, nach dem Schönen, nach der „Idee“, also dem Urbild der Liebe. Außerdem hatte Platon die Vorstellung der „platonischen Liebe“, welche die intellektuelle Liebe zwischen zwei Gleichen ist. Da bei Platon die Liebe eine „Idee“ ist, ist sie außerdem ewig.
Bei Aristoteles ist Liebe eine Freundschaft, die auf Gleichheit, Gegenseitigkeit und Selbstliebe beruht. Diese „Philia“ kann nur echt und beständig sein, wenn sie auf dem bedingungslosen Wohlwollen gegenüber dem anderen begründet ist. Sie kann nur zwischen ähnlichen Menschen bestehen und bedarf der Kommunikation, der Freude und der Freiheit. Außerdem ist die Selbstliebe die Grundlage der Liebe. Diese Selbstliebe hat ihren Ursprung laut Aristoteles in Gott, welcher die Ursache aller Dinge ist.
Der Kirchenvater Augustinus schließlich unterscheidet Menschen und Gottesliebe, Eros und Agape. Er ist der Ansicht, dass Liebe ein Geschenk ist, etwas, das an einem geschieht und auf das man keinen Einfluss hat. Dieses Geschenk ist den Menschen von Gott gegeben, und die Menschen können sich dieses Geschenkes als würdig erweisen und es weitergeben, beispielweise in Form der Nächstenliebe. Außerdem meint Augustinus, dass man als Person erst grundsätzlich „bejaht werden muss“, um liebesfähig zu sein, sich selbst und andere zu lieben.
Nachdem wir diese Ergebnisse zusammengefasst hatten, ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren und unterhielten uns über die Aspekte, die uns noch wichtig waren. Die 10 Stunden waren schneller vergangen, als wir es erwartet hatten und auch wenn wir so ein großes Thema wie das der Liebe in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum nur ansatzweise behandelten, haben wir doch am Ende wichtige, neue und interessante Erkenntnisse für uns mitnehmen können. Durch eine gute Mischung verschiedener Arbeitsformen und einem ständigem Im-Gespräch-Miteinander-Sein, konnten wir uns dem Thema vielseitig annähern und hatten dabei auch eine Menge Spaß. Wir hoffen, dass es nicht das letzte Philo-Projekt in dieser Form gewesen ist!

Am 15.06.2018 unterzeichnete Frau Lorenz einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule Geisenheim University.

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Ziel des Abkommens ist die Vernetzung des naturwissenschaftlichen Fachunterrichts an der Schule mit aktueller Forschungsarbeit. Dabei sollen praktische Schwerpunkte gesetzt werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Sinne eines wissenschaftspropädeutischen Unterrichtens selbst in den Laboren der Hochschule tätig werden dürfen, Expertenvorträge an der Schule, Praktika und Schnuppertage sind ebenfalls geplant.

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Die Hochschulleitung: Prof. Dr. Hans- Reiner Schultz, Prof. Dr. Beate Berkelmann-Löhnertz und die Schulleitung: Frau Lorenz, Frau Dries fanden nach kurzen Vorgesprächen schnell einen gemeinsamen Nenner, der ab sofort neue Möglichkeiten für beide Institutionen eröffnet.

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Am 15.06.2019 erhielten 28 Schülerinnen und Schüler das Zeugnis über den bestandenen Realschulabschluss. Frau Lorenz, Frau Dries, Herr Braun und Herr Wolf verabschiedeten im feierlichen Rahmen die Absolventen. Die Schülerinnen und Schüler gestalteten mit Unterstützung ihrer Eltern eine emotionale Feier, bei der mit musikalischen Einlagen nicht gespart wurde, sodass der erste Realschuljahrgang der St. Ursula Schule einen würdigen Abschluss fand.

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Besonders erfreulich war der gute Notendurchschnitt der Abschlussprüfungen, der es acht Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ab dem Schuljahr 2018/2019 in den Gymnasialzweig der St. Ursula Schule zu wechseln, einige weitere werden die Fachoberschulen in Wiesbaden besuchen. Die besten Ergebnisse erzielten Helin Kara, Helen Halft, Jesko Zell und Lukas Neubauer.

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 Herzlichen Glückwunsch!

In Bearbeitung!