Am 1. September machten wir, die Geschichtskurse der Q3, uns auf den Weg nach Hadamar. Was zunächst wie eine gewöhnliche Exkursion zu einem historischen Ort begann, wurde für uns schnell zu einer intensiven Begegnung mit einem besonders bedrückenden Kapitel der deutschen Geschichte. In der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Hadamar wurden während der Zeit des Nationalsozialismus Tausende Menschen mit psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen ermordet. Im Folgenden möchten wir von unseren Eindrücken, den historischen Hintergründen und den Gedanken berichten, die uns während und nach unserem Besuch in Hadamar beschäftigt haben.
Bevor unsere Führung begann, wurden wir mit Zitaten konfrontiert, die sich gegen Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen richten. Wir haben alle Zitate in die Zeit des Nationalsozialismus verortet. Umso schockierender war die Erkenntnis, dass einige Aussagen aus der heutigen Zeit stammen. Dadurch wurde uns bewusst, wie aktuell die Auseinandersetzung mit dem historischen Thema der sogenannten „Euthanasie“-Morde im Rahmen der nationalsozialistischen „Aktion T 4“ noch immer ist. Der Rundgang durch die Räumlichkeiten der ehemaligen Tötungsanstalt Hadamar zeigte anschaulich die einzelnen Stationen, die die Opfer von der Ankunft in der Busgarage über die Erfassung der persönlichen Daten bis hin zur Ermordung durchlaufen haben, auf. Intensiv erlebten wir die Atmosphäre in den Kellerräumen, wo vom Januar bis August 1941 über 10.000 Menschen vergast und eingeäschert wurden. Dort war es sehr stickig, die Stimmung in der Gruppe ernst, man hatte das Gefühl, das Leid dieser Menschen lag noch in der Luft. Eindrucksvoll war für uns, dass die Spuren dieser Verbrechen bis heute an diesem Ort sichtbar und spürbar sind. Auch die Geschichte der einzelnen Patienten und Familien, die durch die Euthanasiemorde voneinander getrennt wurden, machte die Dimension der Verbrechen für uns greifbarer.
Nach den eindrücklichen Erfahrungen über die Geschichte der damaligen Heil- und
Pflegeanstalt in Hadamar bleibt uns allen ein deutlich stärkeres Bewusstsein für die schweren Verbrechen, die an diesem Ort begangen wurden. Gleichzeitig wurde uns deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch für die Gegenwart wichtig ist. Rechtsextreme fordern noch heute den Rückbau von Inklusionsmaßnahmen und greifen auf menschenverachtende, ableistische Vorstellungen zurück. Schockiert mussten wir feststellen, dass der Satz „Euthanasie ist die Lösung.“ im Mai 2024 bei einem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Angriff auf ein Wohnheim der Lebenshilfe Mönchengladbach fiel. Die Erfahrungen an diesem Tag waren für uns überaus wichtig und im Sinne der geschichtlichen Aufklärung wie auch der politischen Bildung können wir den folgenden Jahrgängen nachdrücklich empfehlen, eine Exkursion nach Hadamar zu unternehmen und auf diesem Weg bedanken wir uns bei unseren Geschichtslehrkräften für die Organisation des Besuchs der Gedenkstätte!
Lya Altenkirch, Lea Szumilas, Lisa Purper und Emilia von Rauner